Als Mami krank zu werden ist ja sozusagen verboten. Der unsichtbare Vertrag zwischen Kind und Mutter besagt, dass Mütter sich nicht sterbend ins Bett legen dürfen, nicht in Ruhe duschen können oder eigene Bedürfnisse haben. Weiter steht in diesem Vertrag, dass das Gleiche meist nicht für Väter gilt. Trotzdem kann es nun passieren, dass sich eine abtrünnige Mutter auf den Weg ins Verderben macht und: krank wird! Richtig richtig krank, sich den Arm bricht, Migräne bekommt oder sich andere selbstsüchtige Dinge leistet.

Fraumami hat sich nun tatsächlich getraut, ist mit zwei schmerzenden Füßen aufgewacht und kann so gut wie nicht mehr laufen. Soweit man den Ärzten glauben kann, wird dieser Zustand auch noch eine Weile dauern. Na ja, soweit so gut. Die Fortbewegung erfolgt nun mit Krücken, auf dem Boden robbend oder (an guten Tagen) einbeinig hüpfend.

Das Arbeitgeberchen zeigt zu Anfang noch Verständnis, verlegt sich aber schnell auf Vorwürfe und Unverständnis. Schließlich wartet bereits eine Menge Arbeit und scheinbar macht Fraumami gerade einfach nur Urlaub („Sie sollten wirklich wieder arbeiten kommen!“).

Goldlöckchen wird hingegen magisch von den Krücken angezogen („Ich will das auch mal probieren“) und gewöhnt sich schnell an die ungewohnte Ruhe und den neuen Tagesablauf. Fraumami hat damit weit mehr Probleme. Übernacht von 100 auf 0 ruhiggestellt. Der Haushalt wird ebenso sträflich vernachlässigt wie die stets angestrebte Unabhängigkeit. Schnell mal Milch kaufen, mit dem Hund raus und nebenbei die Wäsche machen, ist erstmal vorbei. Stattdessen telefoniert Fraumami und fragt nach Fahrgelegenheiten zur Krippe, zum Einkaufen oder zum Arzt. Stets röchelnd und mit täglich wachsenden Armmuskeln auf den Krücken hüpfend.

Die Mahlzeiten werden in der Küche auf dem Boden sitzend eingenommen, weil Fraumami die Teller nicht tragen kann und Goldlöckchen keine Lust hat („Nein, ich mag nicht!“). Die Wäsche wird auf dem Schoß platziert und auf dem Hintern rutschend in die Zimmer befördert. Das kleine Bad kann man fast komplett im Sitzen putzen. Staubsaugen im Sitzen ist eher eine Herausforderung, aber Zeit ist ja jetzt vorhanden. Wer die Treppen wischt, ist auch sofort klar („Ich kann das dalleine! Ich bin schon gewachsen (erwachsen)!). Und alles was nicht kaputt gehen kann wird entweder geworfen, geschoben und oder durch die Wohnung geschubst.

Nachdem sich der stets am oberen Limit gehaltene Stresspegel gegen null minus unendlich bewegt, tut das Zuhause sein plötzlich auch richtig gut. Fraumami hat das erste Mal seit Jahren wieder Zeit für sich! Beim Ballspielen im Hof (natürlich im Sitzen) werden Bekanntschaften gepflegt, neue Freundschaften aufgebaut und vertieft. Ganz plötzlich bietet jeder seine Hilfe an, die Wohnung ist stets mit Besuch gefüllt und Fraumami kann sich endlich einmal ein wenig zurücklehnen. Auch der Panikmodus stellt sich nicht ein („Oh Gott, oh Gott, oh Gott!“, „Wie soll es jetzt weitergehen?“ „OH GOTT!“). Zwar huscht er manchmal süffisant lächelnd vorbei, aber Fraumami knallt ihm dann einfach die Tür vor der Nase zu und genießt die neugewonnene Freiheit, nichts tun oder ändern zu können.

Und auch Goldlöckchen liebt die neue entspannte Mama und die vielen Besucher, die tagein tagaus vorbeischauen, etwas helfen oder Fahrdienst spielen. Dass Spielplatz, Radfahren und Schwimmbad meistens ausfallen (außer ein guter Samariter fährt uns), ist nach kurzer Zeit auch kein Problem mehr. Sogar die Wutanfälle, das wöchentliche Baden und das Nichtschlafen, stressen Fraumami so gut wie gar nicht mehr. Plötzlich stehen neue Businessideen, Blogbeiträge und Hobbys im Vordergrund. Und ja, selbst das Unmögliche wird wahr: Fraumami liest mal wieder ein Buch ohne dabei völlig erschöpft einzuschlafen!

So fühlt es sich also an, wenn man nicht dauergestresst ist und mit Hängen und Würgen am Burnout entlang schlittert. Herrlich! Mami auf Abwegen ist plötzlich Mami auf Umwegen glücklich.

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