Da arbeitet man wie ein Tier, hetzt zum Kindergarten, zur Krippe oder zur Schule, kocht, wäscht, putzt und spielt, spielt, spielt und fällt abends todmüde ins Bett. Am nächsten Tag klingelt der Wecker viel zu früh und der ganze Spaß geht wieder von vorne los. Zwischendrin besänftigt man einen Streit, umgeht einen Wutanfall, tröstet und pustet ein Aua weg.

Der einzige Gedanke, der mir über so einen dauerhaften Stress ein wenig tröstet, ist das Papa-Wochenende oder zumindest der Papa-Nachmittag. Zeit nur für mich! N-U-R F-Ü-R M-I-C-H! Ich kann in Ruhe in der Badewanne liegen, ein Buch lesen und mich Freunden treffen. Ich kann lange schlafen und Schokolade zum Frühstück essen, einfach nur weil ich das gerade will. Ich kann nachmittags um vier ein Schläfchen halten oder einen gruseligen Horrorfilm anschauen. Ich kann meine Nägel lackieren ohne ein komplettes zusätzliches Beauty-Programm für Goldlöckchen durchzuziehen. Kurz gesagt: Ich kann für einige wenige Stunden ein normaler Mensch sein, der etwas für sich tut. Ich kann mal wieder die Carina sein, die gerne laut Eminem beim Arbeiten und Jennifer Rostock beim Kochen hört und nicht nur „Mama! Kuck mal! Mama, ich mag diese Musik nicht!“.

Und dann ist es endlich soweit: Freitagnachmittag, alle wichtigen Arbeiten sind erledigt, der Papa hat Goldlöckchen inzwischen ohne Zwischenfällte („Nein, ich will lieber bei der Mama bleiben!“) vom Kindergarten geholt und meine Freizeit beginnt. Der Teil der Woche, auf den ich die letzten Tage so hin gefiebert und mir in den schönsten Farben ausgemalt habe. Der Teil der Woche, der mir wie der absolute Himmel erschienen ist.

Und dann?

Dann kann ich plötzlich die fürchterliche Stille in unserer Wohnung hören. Oh Gott, es ist soooo still! Kein Kindergeschrei, kein Benjamin Blümchen und kein Kind, das an meinen Beinen hängt.

„Quatsch Carina, das wird toll!“

Also schiebe ich die lästigen Gedanken beiseite und beschließe einen langen und entspannenden Spaziergang mit dem Hund zu machen. Natürlich führt unser Weg am Kindergarten vorbei. Alle diese glücklichen Mamis mit ihren Kindern… Oh Gott, ich erschrecke mich gerade wirklich über mich selbst. Ich kann doch nicht zu einer dieser Frauen geworden sein, die keine 5 Minuten ohne ihr Kind aushalten. Schließlich bin eine vielseitige Frau mit Hobbys und Freunden und…

Tapfer stapfe ich mit dem Hund im Schlepptau durch die Siedlung und versuche mich auf die heiße Badewanne und das Glas Wein zu freuen. Doch kaum sitze ich in der Badewanne, rutsche ich nervös hin und her und halte es kaum 10 Minuten aus. Plötzlich wird mir bewusst, wie wenig ich es gewohnt bin, wirklich Zeit für mich zu haben. Und gerade deshalb muss diese Zeit doch perfekt genutzt werden!

Frustriert und genervt klingel ich bei sämtlichen Freunden durch. Irgendjemand wird doch Freitagabend Zeit für ein Essen, ein paar Cocktails oder tanzen haben. Denkste! Gerade an diesem Wochenende hat jeder schon was vor, 5000 Einladungen von fragwürdigen Familienmitgliedern und Verabredungen mit alten Freunden, die nur heute Zeit haben und dann nie wieder.

Mist.

Also schiebe ich mir ein Kilo Pommes in den Ofen, schalte den Fernseher ein und stelle die offene Weinflasche erst gar nicht mehr in den Kühlschrank. Um nicht vor lauter Müdigkeit einzuschlafen, setzte ich mich auf der Couch kerzengerade hin und esse eine Tafel Schokolade, bis die Pommes fertig sind.

Als die Flasche Wein fast leer ist, habe ich bereits ein wütendes Streitgespräch mit dem Fernseher geführt und stopfe dabei die fettigen Pommes ohne hinzusehen in meinen Mund. Meine Finger wische ich stilvoll an meinem Bärchen-Schlafanzug ab. Gegen 19 Uhr bin ich dann nicht mehr nur frustriert und weiß nichts mit mir anzufangen, mir ist auch schlecht und ich kann meine Augen nicht mehr länger offen halten.

Am nächsten Morgen schrecke ich aus dem Schlaf, sehe auf die Uhr und bin sofort in Panik! Acht Uhr und es ist totenstill! Ach ja, mein Goldlöckchen ist ja gar nicht da…

Der Rest des Wochenendes ist eine Mischung aus Essen und Schlafen, wütend, frustriert und manchmal ein wenig entspannter sein. Als es dann endlich Sonntagnachmittag ist, bin ich plötzlich tiefenentspannt und bereit für ein eigenes Leben. Wie aufs Stichwort klingelt es an der Tür und Goldlöckchen stürmt fröhlich plappernd herein. „Mama! Mama! Mama!“ Ach wie gut, dass es ein Papa-Wochenende gibt…

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