Winterzeit ist bei uns Gruselzeit. Gruselig ist es deshalb, weil Goldlöckchen den kompletten Winter hindurch krank ist und ich mich deswegen fürchte, auf mein leeres Bankkonto zu kucken. Den Kindergartenplatz haben wir im Winter eigentlich nur proforma und damit Königin Goldlöckchen auch aus der Ferne regieren kann.

Gruselig ist es auch, eine kranke Vierjährige ohne Fremdbetreuung zwei Monate von früh bis spät um sich zu haben, Deadlines einzuhalten und neben dem kranken Kind auch noch die Kunden bei Laune zu halten.

Oder Meetings ganz professionell im Kinderparadies abzuhalten.

Gruselig ist zur Winterzeit auch der Kindergarten, in den die halbkranken Bazillenschleudern von ihren Eltern geschickt werden. Da muss man schon beim Reingehen dem Niesen, Husten und Schleimen der Dreijährigen ausweichen. Wie wunderbar, dass Goldlöckchen jedes Mal dankbar ihre Arme ausbreitet und ruft „Hier! Gebt mir jeden Virus und jede mysteriöse Krankheit! Mein Immunsystem schläft sowieso. Ich bin bereit.“

Nun regiert Goldlöckchen ja inzwischen ein wenig gerechter als noch vor einigen Monaten und hat sich von einem kleinen Diktator hin zu einer Königin gewandelt. Zwar werden die Fahrkünste anderer Autofahrer (und die von Fraumami) nach wie vor gnadenlos kommentiert und kritisiert, jedoch ist meinem Goldlöcken mit einem hübschen Kleid und einem Zopf die Verwandlung zur Eiskönigin gelungen.

Plötzlich braucht sie bei minus 10 Grad keine Winterjacke mehr, Einkaufen ist Unsinn, da Elsas nicht essen und überhaupt braucht sie nun auch keine Mama mehr, weil Königin Elsa ja auch keine mehr hat.

Und auch wenn sie selbst den ganzen Tag „Ich bin frei, endlich frei“ singt, kann sie den Sherriff in sich nicht verstecken. Sobald nämlich Fraumami singt, höre ich ein wütendes „Pst! Wir haben Nachbarn! Du darfst nicht singen!“. „Ok“, denke ich naiv wie ich bin und versuche stattdessen wenigstens ein paar Minuten zu arbeiten. Allerdings habe ich die Rechnung ohne die Nachwuchs-Elsa gemacht. Die riecht nämlich jede Veränderungen sofort und beschließt, dass jetzt Schluss mit alleine Spielen ist und sie sich dringend neben mich stellen muss, singend und hopsend, alle 20 Sekunden unterbrochen von „Mama, schau mal was ich kann!“ Stehen, wow. Herzlichen Glückwünsch. „Mama! Mama! Mama!“

 

Um diesem märchenhaften Winter die Krone aufzusetzen, kommt Fraumamis Selbstverwirklichung endlich so richtig in Fahrt. Alles was jetzt noch fehlt ist Zeit und Geld, die Weltherrschaft und vielleicht ein klein wenig Ruhe für meine strapazierten Nerven. „Nicht mehr lange“, rede ich mir jeden Tag ein und spiele tapfer das 1000 Mal Frozen-Memorie, baue die Wackel-Schaukel-Balance-Schnecke auf und erkläre das 500 Mal, wie Mensch-ärgere-dich-nicht funktioniert. Wenn der strengen Herrscherin dann ihre fiebrigen Sicherungen durchbrennen und sie ihre Wut durch die Welt schreit, verkriecht sich der Hund erstmal vorsichtshalber unter dem Bett. Fraumamis Zündschnur ist in diesem Winter auch extrem kurz und so kommt es leicht zu einer riesigen Explosion, verursacht von Elsa, Anna, Olaf und Co. Wenn sich der Sturm wieder legt, weint meistens nicht nur die Königin, sondern auch Fraumami. Wie gut, dass dieses Problem meistens von Essen und einem Film (natürlich die Eisprinzessin) gelöst werden kann.

Nur die anderen Probleme wollen sich diesen Winter nicht so recht regeln. Triviale Dinge wie Einkommen zum Beispiel.

Puh, da sitze ich nun im Gruselmärchen dieses Winters und frage mich, wie ich die nächste Miete bezahlen soll, wann Goldlöckchen genug davon hat Superbazillen zu züchten und ob ich sie zwischen Fieber, Wutanfall und Deadline vielleicht mal kurz aus dem Fenster hängen kann, ohne als Monster abgestempelt zu werden. Nur ganz kurz und nur damit ich ein wenig schlafen kann. Oder mal Duschen ohne „Mama, schau mal!“. Vielleicht halte ich mich aber auch an Goldlöckchens klugen Rat („Mama, wir brauchen jetzt kein Geld“) und genieße stattdessen den Moment wieder ein klein wenig mehr.

Sei dabei, lass dich inspirieren und erhalte Regelmäßig Post von Fraumami! Trag dich gleich ein! Sign up