Schwangerschaft, Elternschaft, Muttersein… Viele schöne Worte, die die Realität nicht wirklich treffend beschreiben. Zumindest ist es anders, als man sich es vorstellt. Gerade wenn man noch am Anfang steht, also schwanger mit dem ersten Kind ist, hat man diese wunderschöne Vorstellung von Kindererziehung und dem Alltag mit Kindern.

„Nein, jeden Tag auf den Spielplatz gehen ist doch total doof und langweilig!“

„Ich gebe meine Hobbys sicher nicht auf!“

„Die Kinder Fernsehen lassen? So eine Mutter werde ich nie!“ oder

„Kinder laufen einfach so nebenbei. In meinem Leben wird sich nicht viel ändern!“

Das werden wir ja noch sehen! Spätestens wenn man das kleine brüllende Bündel neuen Lebens zuhause hat, ist nichts mehr wie zuvor und man schmeißt kurzerhand alle vorher gefassten Ansichten über Bord.

Und ganz egal, was man sich am Anfang der Elternschaft vornimmt: Alle Eltern werden über kurz oder lang zu diesen peinlichen Menschen, die nur noch über das eigene Kind reden, Babykacke nicht eklig finden oder (Achtung: das ist wirklich schlimm!) aus den angesauten Gläsern, die voll mit Essenresten der Sprösslinge sind, trinken. Das Highlight des Tages ist plötzlich nicht mehr das Treffen mit den Freunden. Es ist das Abholen des Kindes oder der Moment, wenn dein Kind endlich schläft und du in Ruhe die blöde Serie anschauen kannst, die früher gar nicht so wichtig war.

Die Anfangszeit

Wenn ich die ersten drei Monate nach der Geburt meines Goldlöckchens gefragt wurde, ob ich Kinder habe, habe ich aus Versehen fast jedes Mal mit „Nein“ geantwortet. Irgendwie war die richtige Antwort noch nicht angekommen. Und das obwohl Goldlöckchen kein Kind ist, dass man überhören könnte.

In den ersten Monaten habe ich mir stets eingeredet, dass das „normale“ Leben bald wieder losgehen kann. Nach den Koliken, nach dem Zahnen, nach den nervenaufreibenden Entwicklungsschüben, nach der Trotzphase, nach den durchgemachten Nächten, nach den Monaten der schier endlos dauernden Infektionen wie Schnupfen, Mittelohrentzündung, Fieber, Bronchitis, Mund-Hand-Fuß-Krankheit. Danach hätte ich ganz sicher mein altes Leben wieder.

Bye bye altes Leben

Und plötzlich stellt sich raus, dem ist nicht so. Mein altes Leben ist gestorben, als ich ein neues kleines Leben zur Welt gebracht habe. Das ist mir spätestens klar geworden, als ich in der Arbeit einen kleinen Fernseher halten musste und das winzige Ding liebevoll in den Armen hielt. Gedankenversunken wiegte ich den Fernseher hin und her und begann ein beruhigendes Lied zu summen! Erst als um mich herum gelacht wurde, bin ich aus der „Ich-muss-das Baby-beruhigen-Trance“ aufgewacht.

Wenn ich heute Babys sehe, denke ich nicht mehr „Aha, ganz nett. Irgendwann mal.“ Ich kriege feuchte Augen und will das winzige Wesen nicht mehr hergeben. Sonntags früh aufzustehen und dem Goldlöckchen Fahrradfahren beibringen, macht mir inzwischen mehr Spaß, als die Nacht durchzufeiern und am Sonntag halbsterbend auf der Couch zu liegen. Wenn ich heute shoppen gehe, denke ich immer

„Oh, das würde Goldlöckchen sicher auch gefallen. Ich schau mal kurz in die Kinderabteilung“.

Und plötzlich bin ich Mama

Plötzlich stellt sich heraus, ich bin zu einer dieser Frauen geworden, die nicht mehr nur ans Geldverdienen denken, die weiterkommen wollen oder aufs Wochenende lauern, weil die nächste Party ansteht. Ich bin zu einer Frau geworden, die nähen lernt, dauernd Gemüse kocht, plötzlich gegen zu viel Zucker ist und am Samstag auf den Flohmarkt geht, um hübsche Sommerkleidchen zu kaufen. Oder zu einer Frau, die kleine Fernseher beruhigend in den Schlaf wiegt. Ich kaufe Globuli und stecke sie dem Goldlöckchen zu jeder Gelegenheit in den Mund. Ich schreibe andauernd imaginäre Einkaufszettel. Ich mache mir andauernd Sorgen und frage „Geht’s dir gut?“. Ich habe immer ein Taschentuch dabei. Creme. Kekse. In meiner Wohnung liegt überall Spielzeug herum. Ich schlafe immer mit einem offenen Ohr und wache von jedem kleinen Geräusch auf. Ich fahre zu Indoor-Spielplätzen, verabrede mich mit anderen Müttern und trage Gummistiefel wenn es regnet, damit ich auch in Pfützen springen kann. Ich bin zu einer dieser Frauen geworden, die ich früher gruselig fand. Und ein klein wenig bemitleidenswert. Plötzlich hat mich irgendetwas in Muttersein-Land katapultiert und ich habe so die leise Ahnung, dass es zwar einen Weg hinein, aber keinen mehr hinaus gibt.

Plötzlich bin ich eine Mutter-Mutter geworden. Nicht gluckenhaft aber kurz davor. Und plötzlich finde ich diese Tatsache nicht mehr gruselig oder bemitleidenswert, sondern genau richtig.

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