Nach der Quengelphase, der Wutanfallphase und der „Ich-bin-dauernd-krank-Phase“ haben wir jetzt ein völlig neues Stadium erreicht: die Diktatorphase. Passend dazu gibt es auch einen neuen Wortschatz. „Nein“, „Ich kann das alleine“ und „Warum?“ reichen so nicht mehr aus. „Ich will“ und „Du darfst das nicht“ sind jetzt die neuen Spitzenreiter. Selbstverständlich können all diese wunderbaren Wörter schnell und einfach miteinander kombiniert werden und so einen handfesten Wutanfall ankündigen.

Wenn Herrscherin Goldlöckchen einmal gesprochen hat, hat das Fußvolk zu parieren.

Selbst der Hund wird in das Drama mit hineingezogen und soll andere Kinder beißen, wenn sie es wagen, ihn zu streicheln. Wenn Fraumami sich erlaubt, eine Freundin mit auf den Spielplatz zu nehmen, um einmal „in Ruhe“ eine Unterhaltung zu führen, kommt das Goldlöckchen regelmäßig anmarschiert und möchte Gesellschaft beim Rutschen, Schaukeln oder im Sandkasten. Wenn dem Befehl nicht Folge geleistet wird, dreht sie Fraumami den Rücken zu, verschränkt die Arme und ist erstmal beleidigt. Aber das ist nicht genug an Bestrafung. Meist dauert es nicht lange, bis sie sich trotzig vor mir aufbaut und sagt: „Du darfst heute nicht mehr mit deinem Handy schreiben! Und du darfst auch nicht den Hund streicheln! Ich bin jetzt sauer! Du darfst heute gar nichts mehr!“ Gerne werden auch mal Freundschaften gekündigt oder Besuchsverbote erteilt.

Auffällig ist auch, dass wenn Fraumami etwas möchte, die Standardantwort nach wie vor ein wütendes „Nein!“ ist.

Und selbst parkende Autos werden nicht verschont. „Der parkt aber gar nicht gut! So darf man nicht parken! Der parkt super (das Auto steht quer in der Parklücke)! Nein, der darf da gar nicht parken!“

Wenn alle Stricke reißen und Herrscherin Goldlöckchen ihre Macht so gar nicht ausleben kann, folgt ein „Ich will aber!“. Natürlich immer vollkommen angemessen und berechtigt. „Ich will aber alleine Autofahren! Ich will aber einen Kaffee trinken! Ich will aber das Scharfe probieren!“ Selbstverständlich wird Fraumami stets von einem schlechten Gewissen geplagt, macht sich Vorwürfe und zweifelt am erzieherischen Können. Es gibt schließlich sehr viele 3-Jährige, die schon alleine Autofahren und Kaffeetrinken dürfen.

Nachdem Fraumami ja nicht dumm ist und einen äußerst wohl erzogenen Hund hat, ist ein neuer Plan schnell gefasst. Wenn der Hund viel läuft, draußen ist und rennt, ist er brav, müde und bellt nicht. Ah ja… Goldlöckchen rennt und rennt, flitzt und tobt, ist müde UND: schläft abends nicht. Dafür lässt sie ihren Unmut weiterhin am Fußvolk aus und herrscht mit eiserner Hand. Dem Papa wird kurzerhand ein Besuchsverbot auferlegt, der Hund darf sie nicht mehr anschauen und Fraumami wird entweder ignoriert oder angemotzt.

Soweit so gut. Durchatmen Mami. Bleib ruhig und plane deinen Putsch, um den Diktator ein für alle Mal zu stürzen. Kaum steht ein neuer wackliger Plan auf noch wackligeren Beinen, riecht Goldlöckchen die Veränderung mit ihrer feinen Spürnase, setzt ihr liebes Gesicht auf und sagt: „Du Mami, ich bin jetzt wieder ganz brav!“

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