Es ist soweit: Badetag! Früher Anlass zur Freude, heute ein Melodram, das seinesgleichen sucht. Vorbei sind die Zeiten, als ich Goldlöckchen bibbernd aus der Badewanne zwingen musste, weil sie schon ganz schrumpelig und das Wasser ganz kalt war. Vorbei sind auch die Zeiten, als Goldlöckchen schon morgens in die Wanne gesprungen ist und gebettelt hat, dass ich ihre Legokiste zu ihr ins Wasser schütte. Heute ist die Badewanne Staatsfeind Nr. 1 und steht ganz oben auf Goldlöckchens „Ich-weine-gar-fürchterlich-die-Welt-geht-gleich-unter-Liste“.

Erster Akt: Ich erwähne vorsichtig, dass wir heute dringend baden oder zumindest duschen müssen und gehe in Deckung. Vorsichtig blinzle ich aus meiner geduckten Schutzhaltung rüber zu Goldlöckchen, die mit Tränen in den Augen wütend ihre Unterlippe nach vorne schiebt. „Aber ich will nicht!“ ist ihre übliche Antwort. Ok, das verstehe ich, aber jetzt bloß nicht nachgeben.

„Ich will nicht!“

Goldlöckchen bleibt stur und schiebt ihre Unterlippe weiter raus. Bevor ich noch etwas erwidern kann, brüllt Goldlöckchen los, klammert sich an meine Beine und bettelt, dass wir das Baden verschieben.

Zweiter Akt: Auch nach einer halben Stunde kullern die Tränen munter weiter. Also atme ich tief durch, schiebe Goldlöckchen ins Bad und versuche ich ihr das Baden schmackhaft zu machen. Zwischendrin ziehe ich ihr alle zehn Minuten ein Kleidungsstück aus, das heftig verteidigt wird (ich bete inzwischen inständig, dass die Nachbarn nicht denken, dass hier gerade ein Kind misshandelt wird und die Polizei anrufen). Um die Stimmung aufzulockern, zeige ich ihr das tolle Badespielzeug, die vielen Becher und lasse sie eine Farbe fürs Badewasser aussuchen. „Nein!“ ist alles, was Goldlöckchen antwortet. Puh.. Der schwierige Part kommt erst noch. Die verhassten Ohrstöpsel (sie sind bei uns Beiden unbeliebt) müssen in die Ohren.

„Ich mag das nicht!“, „Aua aua aua“, und „Nein!“ brüllt sie mir entgegen.

Dritter Akt: Geschafft! Goldlöckchen steht heulend in der Wanne. Jetzt ist das Wasser entweder zu kalt, zu heiß oder zu nass (unbeheizte Pools, kalte Schwimmbadduschen oder Gewässer unter 20 Grad sind hingegen kein Problem). Nur noch die Haare waschen, dann haben wir es wieder für eine Woche geschafft. Aber Goldlöckchen hält ihren Kopf stur nach unten, sodass ihr das Wasser in die Augen läuft. Sie schüttelt sich und weicht dem Wasserbecher aus. Das Shampoo ist inzwischen im ganzen Bad verteilt, die Ohrstöpsel schwimmen in der Badewanne und das nervige Wasserspielzeug spritzt fleißig Wasser aus der Wanne. Goldlöckchen hat das Heulen aufgegeben und sich aufs beleidigt sein verlegt.

Vierter Akt: Nach fünf Minuten friedlichem Planschen, reißt Goldlöckchen den Stöpsel aus der Wanne und versucht („Ich kann das dalleine“) mit akrobatischen Höchstleistungen aus der glitschigen Badewanne zu klettern. Auch das Eincremen mit Babyöl kann Goldlöckchen „dalleine“, was bedeutet, dass sich das Badputzen wenigstens für mich lohnt. Vielleicht zünde ich es aber auch einfach an und ziehe um. Der Fön ist hingegen inzwischen genauso unbeliebt wie das Baden selbst. Auch trockenrubbeln mit dem Handtuch darf ich nicht. Lieber zieht sich Goldlöckchen nach dem Baden ihren Regenmantel an, setzt die Kapuze auf, legt sich mit einer Decke auf die Couch und jammert, dass ihr kalt ist. Ich schrubbe in der Zwischenzeit das Bad, koche nebenbei etwas zu Essen und überlege, ob sie nächste Woche bei der Oma oder doch lieber beim Papa badet.

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