Noch vor 5 Jahren habe ich brav studiert, mit meinem Freund in einer kleinen Dachgeschosswohnung gewohnt UND: war rückblickend kreuzunglücklich. Die Hälfte des Studiums war vorbei und ich war mir ziemlich sicher, dass ich nicht als Tourismus-Management-Angestelltentante bei irgendeinem Reiseveranstalter enden wollte. Ich wollte schreiben und frei sein, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich das anstellen sollte. Außerdem war ich zu feige. Als ich dann noch einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, wollte ich mich einfach nur verkriechen und mein Leben mit jemand anderen tauschen.

Ich habe mich wirklich bemüht meine eigene Vorstellung vom Leben über Bord zu werfen und ein anständiges, gesittetes und stinklangweiliges Leben zu führen.

Ich habe mich bemüht und bemüht und bin dabei immer unglücklicher geworden. Ich wollte eine gute Mami sein, einen guten Job haben und eine vorbildliche Beziehung führen. Egal wie.

Schlussendlich ist meine Beziehung gescheitert, ich war ständig nur genervt von meinem schreienden Baby und der Arbeitsmarkt wollte mich nicht haben. Ich war ganz unten und konnte wochenlang nicht mehr aus dem Bett aufstehen. Goldlöckchen hat gerade Zähne bekommen, keine Sekunde mehr geschlafen und ich war komplett allein, überfordert und pleite. Und was habe ich gemacht? Ich habe die Zeichen nicht gesehen und weiterhin versucht, ein „perfektes“ Leben aufzubauen. Das Resultat war immer das Gleiche: pleite, gestresst und allein. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass nicht nur ich, sondern auch mein Goldlöckchen ziemlich unglücklich war.

Was ist dann passiert?

Irgendwann ist der Groschen gefallen. Gott sei Dank. Irgendwann habe ich aufgehört, die Schuld bei allen anderen zu suchen und habe endlich Verantwortung übernommen. Ich habe mir Gedanken gemacht, was ich für ein Leben führen will und was für eine Mutter ich sein möchte. Und mir war schnell klar, dass ich keine kontrollsüchtige, genervte Verrückte sein möchte, die nur darauf wartet, dass die Zeit vergeht und die Kinder endlich groß werden. Ich habe angefangen, meine Erziehung Stück für Stück zu ändern und mir mein Leben nach meinen Vorstellungen einzurichten. Kurzum, ich habe eine Heldengeschichte kreiert.

Was hat das mit Alleinerziehendsein zu tun?

Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ich habe so gut wie keine Hilfe. Keine Oma, die mal aushelfen kann, keine Freunde mit kleinen Kindern, keine Geschwister, Tanten oder Onkeln. Es gibt nur mich und das Goldlöckchen und die Besuche beim Papa. Manchmal war ich so gestresst, dass ich nichts mehr geschafft habe, keine gute Laune vortäuschen konnte oder irgendeine Art von Puffer hatte. Dadurch war alles so intensiv. Die Probleme waren größer, der Stress anhaltender und meine Stimmung explosiver.

Wäre ich nicht alleinerziehend, hätte ich bestimmt noch Jahre gebraucht, um mich dahin zu bewegen, wo ich eigentlich sein möchte und wo ich jetzt bin.

Wäre ich nicht alleinerziehend gewesen, hätte mich meine Art zu leben nicht so erledigt und ich hätte alle Probleme weiterhin bequem wegschieben können. Aber allein mit meinem Goldlöckchen musste ich mich stellen und etwas ändern. Durch das ständige Alleinsein, die Verantwortung, den Druck und den anhalten Stress war ich einfach gezwungen, mein Leben zu ändern. Das war nicht leicht, überhaupt nicht, aber es hat sich gelohnt.

Und heute?

Heute stehe ich auf und bin dankbar für jeden Tag. Ich liebe mein Leben (und ich habe mein Leben noch nie geliebt) und ich möchte mit niemandem auf dieser Welt tauschen. Wäre ich nicht alleinerziehend mit meinem Goldlöckchen, hätte ich mir vermutlich noch jahrelang eingeredet, dass doch alles in Ordnung ist, statt hinzuschauen und alles zu ändern, was verändert gehört.

Du kannst das auch

Ich weiß, dass du das auch kannst. Wenn ich es kann, schafft es auch jeder andere. Bestimmt kämpfst du in anderen Schlachten als ich, aber wenn du damit aufhörst und stattdessen deine Kraft in etwas Konstruktives steckst, wirst du dein Leben in einem Jahr nicht wiedererkennen. Alleinerziehend zu sein schwächt dich vielleicht für einen kurzen Moment, aber danach macht es dich freier und du findest zu einer ganz neuen Stärke. Und hey, sobald du wieder glücklich bist, wartet der perfekte Mann sowieso schon an der nächsten Ecke auf dich. Falls du dir immer noch nicht sicher bist, lies hier weiter.

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