Ganz ehrlich, wenn ich nochmal irgendwo den klugen Ratschlag höre „Du brauchst ein Netzwerk!“, muss ich sofort schreiend aus dem Fenster springen. Ja, als Alleinerziehende braucht man ein Netzwerk, dringend, aber niemand lässt sich dazu herab einem zu verraten, wie man am besten dieses ominöse Netzwerk aufbaut und wo man es findet. Außerdem hilft einem dieser Ratschlag in Krisensituationen auch nicht weiter. Das ist, als würde dein Auto kaputt gehen und alle nur sagen „Spar dein Geld und kauf dir dann ein neues!“. Erstmal richtig, aber trotzdem ist in diesem Moment dein Auto kaputt und du hast gerade kein Geld für ein anderes.

Ein Netzwerk aufzubauen dauert Monate, wenn nicht sogar Jahre. Du musst Leute finden, mit denen du dich verstehst, du musst Vertrauen aufbauen UND dein Kind muss diese Leute mögen und ihnen vertrauen. Außerdem musst du für gesunde und starke Beziehungen selbst gesund und stark sein, nicht deprimiert und abhängig.

„Du brauchst ein Netzwerk!“

Was tust du also, wenn du alleinerziehend bist, keine große Familie hast oder viele Freunde, die dir gerne regelmäßig mit deinen Kindern helfen und du jetzt gerade mehr Zeit für dich, mehr Betreuung oder Geld brauchst? Gute Frage. Erstmal solltest du dich von dem Zwang perfekt sein zu müssen verabschieden. Nicht wütend zu sein oder müde. Und dann denkst du pragmatisch. Schließlich gilt die Devise lösungsorientiert und nicht problemorientiert. Ich habe dir hier alle Tipps zusammengetragen, die mir eingefallen sind und die funktionieren fast alle ohne Netzwerk.

Wenn du als Alleinerziehende mehr Zeit für dich brauchst:

  • Bring dein Kind eher ins Bett. Ja, du hast richtig gehört. Wenn du am Ende bist und niemanden hast, der dein kleines Monster mal einen Tag nimmt, musst du dir in deinem Tagesablauf mehr Zeit nehmen. Wie viel eher liegt natürlich an dir. Mehr als eine Stunde würde ich dir allerdings nicht empfehlen, weil das für ein kleines Kind schon eine ziemlich lange Zeit ist. Wenn du dich jetzt fragst, wie du dein Kind eher ins Bett kommst: Biete Anreize. Eine CD zum Anhören (Benjamin Blümchen, Bibi und Tina, Frozen, was auch immer dein Kind liebt), ein Buch, dass es alleine im Bett noch anschauen darf oder ein Spielzeug, dass es ausnahmsweise mitnehmen darf. Irgendetwas, das deinem Kind Spaß macht. Positiver Nebeneffekt: Dein schlechtes Gewissen ist nicht ganz so groß.
  • Wenn dein Kind keinen Mittagsschlaf mehr macht, führst du einfach die kleine Schwester des Mittagsschlafes, die Mittagsruhe ein. Wenn du es richtig anstellst, lieben deine Kinder diese Zeit. Goldlöckchen fragt schon kurz nach dem Aufstehen am Morgen nach der Mittagsruhe. Während der Mittagsruhe darf Goldlöckchen natürlich ganz normal trinken oder aufs Klo gehen, bleibt aber ansonsten in ihrem Zimmer. Dann noch Benjamin Blümchen rein und sie räumt eine Stunde lang sämtliche Schubläden und Regale aus, legt alles in ihr Bett, setzt sich dazwischen und ist glücklich. Aufräumen tun wir das Chaos zusammen, aber ich das ist es auf jeden Fall wert. Wenn ich nicht so viel Zeit für mich brauche, reicht auch eine halbe Stunde.
  • Lade Freunde von deinem Kind ein oder besucht andere. Klingt erstmal nach mehr Arbeit, ist es aber nicht. Wenn sich die Kinder verstehen und schon mindestens 3 Jahre alt sind, spielen sie die meiste Zeit allein. Du kannst in der Zwischenzeit mit anderen Erwachsenen plaudern und gemütlich eine Tasse Kaffee trinken. Und wenn sich die Kinder wirklich gut verstehen und du den anderen Eltern vertraust, kann man die Spieldates vielleicht auch mal ohne zusätzliche Verstärkung ausprobieren. Also entweder spielen dann die Kinder bei dir oder dein Kind bei den anderen. Macht auch den Kindern Spaß.
  • Frag die Mädels aus der Krippe oder dem Kindergarten. Falls du mal nicht den 1000sten Mädelsabend absagen willst, weil niemand auf dein Kind aufpassen kann, frage einfach die Erzieherinnen aus der Kinderbetreuung. Die meisten bieten sich nebenbei als Babysitter an. Zusätzliches Plus: Dein Kind und du vertrauen dieser Person.

Wenn du als Alleinerziehende Geld brauchst:

So, jetzt wird’s schon ein wenig schwieriger.Wenn du gerade dringend Geld brauchst und keins hast, bleiben meist nicht viele Möglichkeiten. Außerdem steht einem oft der dumme Stolz im Weg.

  • Mein Tipp: Schluck ihn runter, frage um Hilfe und komm wieder auf die Füße. Frage deine Mutter, deinen Vater, deine Oma, deine beste Freundin, wen auch immer. Erstellt einen Rückzahlungsplan, vielleicht mit Zinsen, wenn du dich dann besser fühlst, nimm das Geld und danach bezahlst du brav alles wieder zurück. Ja, bei Geld hört bei vielen die Freundschaft auf, muss sie aber nicht. Jeder von uns hat diesen einen Menschen, der stillschweigend sofort da ist und macht was er kann. Nimm das Geschenk an, lass dir helfen und dann zahl es diesem Menschen 1000-fach zurück. Nicht nur finanziell. Sei der beste Freund, der du sein kannst und kriege dein Leben auf die Reihe.

Falls das Leihen für dich so gar nichts ist: Dann musst du tatsächlich sparen. Oder dir Geld von der Bank leihen, deinen Dispo erhöhen oder deine Seele verkaufen. Wenn du an deiner Seele hängst, findest du hier 5 Spartips.

 

 

Sei dabei, lass dich inspirieren und erhalte Regelmäßig Post von Fraumami! Trag dich gleich ein! Sign up