Trauer und Kummer bei Kindern ist für viele von uns ein Rätsel und oftmals wissen wir einfach nicht, was richtig und was falsch ist. Was erzählen wir unseren Kindern und was verschweigen wir lieber? Sollen wir unsere Kinder Abschied nehmen lassen oder einfach nicht erzählen, dass Oma, Opa oder die Lieblingstante gestorben ist? Traumatisieren wir unsere Kinder, wenn wir sie den Toten nochmal sehen lassen? Sind Beerdigungen ein Platz für Kinder?

Goldlöckchen hat es momentan nicht leicht. Erst stirbt der Uropa, dann unser Hund und schließlich kurz danach die Oma. Hatte sie bei dem Uropa noch keine Ahnung, warum alle auf dem Friedhof stehen und weinen, hat sie bei unserem toten Hund darauf bestanden, ihn noch einmal zu sehen und ihm ordentlich auf Wiedersehen zu sagen. Als ich den Deckel von der Kiste für sie geöffnet habe, in der unsere geliebter Hund lag, ist in ihrem kleinen Gehirn irgendetwas passiert. Plötzlich hat sie verstanden, dass man nicht mehr zurückkommt, wenn man tot ist.

Viele haben mir davon abgeraten, sie unseren toten Hund noch einmal sehen zu lassen, aber ich denke, es hat ihr gut getan. Wortlos hat sie sein Spielzeug eingesammelt und in die bunte Kiste neben ihn gelegt. Goldlöckchen war nicht davon abzubringen, ihm unermüdlich Schlaflieder zu singen, ihn zu streicheln und jedem zu sagen „Schau mal, da liegt mein Schwein. Der ist ganz tot!“.

Wir haben ihn dann zusammen unter einem Magnolienbaum zwischen Blumen begraben, Gras darüber gesät und Blumen für ihn gepflückt. Danach gings zu Mc Donalds und wir haben weinend und lachend ein Happy Meal gegessen.

Kinder haben einen anderen Bezug zum Tod und trauern anders als wir. Oftmals ist es für uns schwer zu begreifen, was in unseren kleinen Lieblingsmenschen vor sich geht, gerade wenn man einen geliebten Menschen verloren hat. Deswegen habe ich dir ein paar Tipps zusammengestellt:

Die richtige Wortwahl

Damit Kinder verstehen, was gerade passiert, brauchen sie Informationen. Gerade kleinere Kinder verstehen die Endgültigkeit des Todes noch nicht. Sie verstehen nur, dass eine geliebte Person weg und nicht mehr da ist. Die meisten Kinder wollen alles über das Sterben wissen und werden dich immer wieder fragen, ob die Oma denn jetzt auch wirklich tot ist, was tot sein bedeutet und ob sie nicht endlich wiederkommt.

Wichtig ist, dass du Formulierungen wie „Der Opa ist es eingeschlafen“ oder „Gott holt alle guten Menschen zu sich“ vermeidest. Kinder verstehen solche Beschönigungen nicht und können durch sie Angst vor dem Einschlafen entwickeln. Oder sie denken, sie dürfen nicht mehr zu brav sein, weil sie Gott sonst zu sich holt. Sag wie es ist, geradeheraus. Unser Hund ist gestorben, weil sein Körper aufgehört hat zu arbeiten.

Auch wenn du vielleicht nicht gläubig bist, kann es Kindern helfen, wenn sie wissen, dass Oma oder Opa jetzt im Himmel sind und von dort auf sie aufpassen. Oder dass sie jetzt Engel sind und über die Familie wachen.

Als meine Oma gestorben ist, hat mir meine Mutter erzählt, dass jeder Verstorbene von seinen bereits toten Verwandten eine Art Willkommensparty bekommt. Dass sich alle freuen, dass die Oma jetzt da ist und dass ihre Ankunft im Himmel gefeiert wird. Sobald die Party vorüber ist, kann man immer mit der Oma reden und wenn man ganz leise und still ist, hört man ihre Antwort. Ich fand diese Worte als Kind sehr tröstlich und stelle mir auch heute noch vor, dass jeder Verstorbene erst einmal eine Willkommensparty feiert.

Wut, Angst und Trauer

Gerade kleine Kinder können ihre Gefühle oftmals noch nicht einordnen und werden von ihnen überwältigt. Wenn das Haustier, Oma oder Opa sterben, ist es für sie meist die erste Verlusterfahrung. Das weckt starke Gefühle in ihnen, die irgendwie rausmüssen. Sei also nicht überrascht, wenn dein Kind öfter als sonst einen Wutanfall bekommt, plötzlich andere Kinder schlägt oder nachts ängstlich ist.

Goldlöckchen hat nach dem Tod ihrer Oma wütend auf ihren Spielzeuglaptop geschlagen und ihn Arschloch genannt.

Selbst wenn es für dich befremdlich ist, verbiete deinem Kind seine Gefühle nicht. Ermuntere es, die starken Gefühle rauszulassen. Nur so kann dein Kind trauern.

Sei auch nicht überrascht, wenn es wütend ist und weint und 3 Minuten später wieder vergnügt spielt. Das ist vollkommen normal. Kinder können nicht durchgehend traurig sein und lenken sich zwischendrin gerne ab.

Zurückfallen in bereits abgelegtes Verhalten

Viele Kinder fallen in einer Trauerphase in „altes“ Verhalten zurück. Manche sind plötzlich wieder unsauber, wollen gefüttert werden oder sprechen in Babysprache. Mach dir keine Sorgen! Das ist normal. Wenn du unsicher bist, kannst du mit deinem Kinderarzt darüber sprechen und dir ein paar Tipps holen.

Schlafen und Essen

Wenn dein Kind trauert, ist es ganz normal, wenn sich für kurze Zeit die Ess- oder Schlafgewohnheiten ändern. Wenn dein Kind weniger essen möchte oder Mahlzeiten auslässt, zwinge es nicht zum Essen. Sobald der erste Schock vorbei ist, wird es wieder mit vollem Appetit zuschlagen.

Es kann auch vorkommen, dass dein Kind plötzlich Einschlaf- oder Durchschlafprobleme hat. Vielleicht wird es auch von Alpträumen gequält. Hab Verständnis und gib deinem Kind Zeit. Wenn es nicht einschlafen kann, lass es länger wach und mit dir einen Film kucken oder ließ ihm ein Buch vor. Rede auch hier viel mit deinem Kind und versuch es zu beruhigen. Wenn Kinder abends zur Ruhe kommen und nicht mehr abgelenkt sind, werden sie oft von ihrer Trauer überwältigt. Gib dir und deinem Kind Zeit und erwarte nicht, dass die Trauer nach ein paar Tagen vorbei ist. Kinder trauern schubweise und so kann es auch vorkommen, dass dein Kind Anzeichen von Trauer erst nach ein paar Monaten zeigt.

Beerdigung

Eine Beerdigung ist für die Hinterbliebenen eine Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Auch dein Kind braucht einen Abschied. Es kann helfen, wenn man Opa oder Oma einen Brief schreibt, ein Bild malt oder ein kleines Geschenk bastelt und es bei der Beerdigung niederlegt. Das gibt Kindern die Möglichkeit, sich auf ihre Art und Weise zu verabschieden. Wenn die Beerdigung sehr emotional war, kann ein anschließender Besuch auf einem Spielplatz, dem Schwimmbad oder in der Eisdiele helfen. Irgendetwas, was deinem Kind Spaß macht und die Schwere der Beerdigung nimmt.

Deine Trauer zeigen

Wir Eltern sind ja oft versucht, unsere Probleme vor unseren Kindern zu verstecken. Bei vielen „Erwachsenensachen“ macht das auch Sinn, jedoch nicht bei Trauer. Wenn du traurig bist und weinen musst, tu es. Nur so kann dein Kind lernen, dass es ok ist, zu trauern und Gefühle zu zeigen. Auch hier heißt das Zauberwort Kommunikation. Rede mit deinem Kind und erklär ihm, wie du dich fühlst und dass du ebenso traurig bist, weil die Oma jetzt nicht mehr da ist.

Buchtipps:

Es gibt einige Kinderbücher, die sich mit dem Thema Tod beschäftigen. Falls der Tod eines Familienmitglieds absehbar und nicht überraschend ist, solltest du dein Kind bereits auf den bevorstehenden Tod vorbereiten. Hier können dir und deinem Kind Bücher helfen. Die schönsten habe ich dir rausgesucht:

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