Heute ist es endlich soweit: Es geht von Koh Phangan nach Chiang Mai. Natürlich mit dem Zug weil Fraumami im Vorfeld nicht ordentlich recherchiert hat und sich nicht darüber im Klaren war, wie weit der Weg tatsächlich ist.

Wie unsere Woche Koh Phangan war, kannst du hier nachlesen.

Zu unserem Abenteuer in Bangkok geht’s hier entlang.

Und weil Fraumami bei der Planung ein wenig schlampig war, bleiben nur 1,5 Tage für Chiang Mai, bevor es zurück nach Bangkok und schließlich nach Hause geht:

Die Sonne brennt an diesem Tag noch stärker vom Himmel als die letzte Woche. Ich schwitze, mein Rucksack ist zu schwer und ich bin genervt. Goldlöckchen zieht an meiner Hand und hüpft ungeduldig um mich herum. Ich stehe in einer ewig langen Schlange am Hafen, die sich nur langsam vorwärts bewegt. Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir endlich dran. Die Verkäuferin wirft einen kurzen Blick auf unser Ticket, schüttelt den Kopf und erklärt uns, dass wir erst noch einmal ins Reisebüro gegenüber müssen.

Nach einer weiteren Stunde anstehen, warten und weitergeschickt werden, dürfen wir endlich an den Pier. Ratlos blicke ich mich um. Hier stehen zwar jede Menge Fähren aber welche unsere ist, sehe ich nicht. Ratlos frage ich einen Einheimischen, der mich fröhlich lachend weiterwinkt. Vor einer Fähre, auf der Surat Thani steht, sitzen einige Thais und unterhalten sich angeregt. Als ich nachfrage, werde ich laut schimpfend weitergejagt. Ah ja. Es ist Mittag und die Hitze ist unerträglich. Meine gute Laune ist längst verflogen und ich will nur noch in ein kühles Hotelzimmer und duschen.

Schließlich gehen wir auf die andere Seite des Piers, wo ich mich zwischen den anderen Touristen durchquetsche und Goldlöckchen kurzerhand auf einer Bank im Schatten platziere. Sofort halten ihr alle Kekse, Gummibärchen oder Saft unter die Nase. Goldlöckchen gluckst glücklich und fragt, ob ich auch etwas will. Lächelnd schüttle ich den Kopf und setzte mich beruhigt auf meinen viel zu schweren Rucksack, um einfach nur zu schwitzen.

Die Fahrt mit der Fähre geht diesmal schneller, dafür dauert die Busfahrt ewig. Inzwischen ist es fast abends, wir sind hungrig und haben schlechte Laune. Goldlöckchen läuft heulend durch die Straßen von Surat Thani und Fraumami ist kurz davor ebenfalls zu heulen.

Erschöpft essen wir in einem kleinen Restaurant direkt am Bahnhof, indem hauptsächlich Einheimische sitzen. Am Nachbartisch sitzt eine holländische Familie, mit der wir uns anfreunden. Sie warten ebenfalls auf den Nachtzug nach Bangkok und schenken uns kurzerhand eine Hose ihres Sohnes, als Goldlöckchen ein Unfall passiert und wir einfach keine sauberen Unterhosen mehr haben.

Falls du keine Lust auf zu viel oder zu wenig Gepäck hast, kuck dir meine Packliste an.

Als der Zug einfährt, wirft ein Bahnbeamter einen Blick auf unser Ticket, schüttelt seinen Kopf und schickt uns an andere Ende des Bahnsteiges. Wir stehen auf der falschen Seite. „Run!“, ruft er uns hinterher. Der Schaffner pfeift bereits. Panisch schubse ich Goldlöckchen die Stufen hoch und hechte hinterher. Im hintersten Abteil wirft der Zugbegleiter einen erneuten Blick auf unser Ticket und schüttelt den Kopf. Dieses Abteil gibt es im Zug nicht. „Doch“ beharre ich. Ich habe zwar keine Ahnung wo, da wir das Ende des Zuges bereits erreicht haben, aber irgendwo muss es schließlich sein. Fragend sieht er sich um, als das fehlende Abteil plötzlich krachend an den Zug angekoppelt wird. Die Situation ist so surreal, dass ich laut anfange zu lachen und versuche das aufgebrachte Goldlöckchen zu beruhigen.

Der Rest der Zugfahrt verläuft ruhig. Als wir am nächsten Morgen in Bangkok ankommen, besorgen wir uns erstmal ein Frühstück und kaufen Proviant für die Weiterfahrt nach Chiang Mai.

Die Fahrt nach Chiang Mai läuft allerdings alles andere als geplant und so kommen wir erst nachts mit über vier Stunden Verspätung an. Der Check-In des Hostels ist seit 2 Stunden beendet und langsam wird mir ein wenig mulmig zumute. Doch Gott sei Dank öffnet die junge Besitzerin des Hotels im Schlafanzug die Tür. Sie wirft einen Blick auf Goldlöckchen und bucht kurzerhand unser Zimmer in eine bessere Kategorie. Natürlich zum selben Preis.

„You need with your Baby“,

sagt sie einfach und lächelt. Dankbar lächle ich zurück und schiebe Goldlöckchen unter die Dusche, um den Staub der letzten zwei Tage abzuwaschen. Als ich die Decke unseres großen Doppelbettes zurückschlage, krabbelt eine große Spinne daraus hervor und verkriecht sich unter unserem Bett. Aber sogar dafür bin ich zu müde.

Der nächste Tag beginnt früh. Wir werden um 9 Uhr morgens von einem Bus abgeholt und zum Elephant Nature Park gefahren. Einen ganzen Tag lang gerettete Elefanten füttern und baden. Sogar einen Babyelefanten gibt es. Königin Goldlöckchen ist „not amused“ über den Ausflug. Die letzten Tage waren einfach zu anstrengend. Auch ist sie das einzige Kind und das lange Stehen und Gehen in der Mittagshitze machen ihr zu schaffen. So ist es kein Wunder, dass der erste Wutanfall nicht lange auf sich warten lässt und mir einen kleinen Vorgeschmack auf den Rest des Tages gibt, der noch länger dauert, als mir lieb ist. Auf der Heimfahrt schläft Goldlöckchen so tief, dass ihr ein kleines Ungeschick passiert. Normalerweise wäre das nicht weiter tragisch, aber die Hose war die letzte, die wir dabei haben. Deswegen hilft alles müde sein nichts: wir müssen noch einmal los und eine neue Hose kaufen.

Die Straßen von Chiang Mai sind voll von Ständen mit bunten Pumphosen, aber Königin Goldlöckchen findet diese Art von Hosen einfach nicht schick und besteht auf eine Leggins. Als sie schließlich laut anfängt zu heulen, hat eine Verkäuferin Mitleid mit mir und schickt mich ins Einheimischenviertel. „Very cheap“, sagt sie und deutet vage in eine Richtung. „Ok“, denke ich, schultere das müde und heulende Goldlöckchen und marschiere los. Als wir um die Ecke biegen, tut sich vor uns eine ganz andere Welt auf. Hier fahren kaum Autos, es gibt keinen Bürgersteig und es riecht extrem streng. Wir schlendern an den Geschäften vorbei und ich versuche einen Blick auf die Hosen zu erspähen.

„Leggins, leggins?“,

frage ich immer wieder und gestikuliere mit Händen und Füßen. „No, no!“, höre ich in jedem Geschäft und werde weitergeschickt. Nach einer Stunde werden wir schließlich fündig. Eine pinke enge und durchsichtige Strumpfhose. „Das muss reichen“, denke ich und schleppe das müde Kind endlich Richtung Hotel.

Als ich am nächsten Morgen aufwache, fühle ich mich irgendwie erschlagen und nicht gut. Mein Bauch tut weh und ich habe Kopfschmerzen. Das Frühstück bringe ich nicht herunter und ich will mich nur ins Bett legen. Ich schiebe meinen Zustand auf die letzten paar Tage und beginne zu packen. Als ich die Zimmertür öffne, damit Goldlöckchen ein bisschen draußen spielen kann, kommt uns ein langhaariger Hippiverschnitt entgegen, umarmt uns ruft laut:

„Nice to meet you!“.

Daniel, der 25 jährige Schwede reist seit einigen Wochen durch Thailand. Er lädt sich spontan selbst auf eine Dusche in unserem Zimmer ein und spielt danach vor unserem Zimmer mit Goldlöckchen Ball, während ich auf dem Bett liege und sterben will.

Mittags holt uns das Taxi ab, um uns zum Flughafen zu bringen. Inzwischen fühle ich mich hundeelend und gehe mit Goldlöckchen alle 10 Minuten auf die Toilette, um zu brechen. Ich weiß nicht, wie ich die lange Heimreise schaffen soll. Als wir in Bangkok ankommen, bin ich bereits ein wandelnder Zombie und kann mich kaum mehr auf den Beinen halten. Vittorio, ein in Dänemark lebender Italiener hat Mitleid mit mir, trägt meinen Rucksack und hilft mir, die nächste Apotheke zu finden. Natürlich bleiben die Medikamente nicht lange genug in meinem Magen und wir beschließen, zu einem Arzt zu fahren. Goldlöckchen und ich haben einige Stunden Aufenthalt in Bangkok. Gerade weiß ich nicht, ob ich die Heimreise überhaupt antreten kann oder nicht. Ich liege im Taxi Richtung Klinik auf dem Rücksitz, erbreche und weine abwechselnd. Der Schweiß rinnt mir trotz Klimaanlage in Strömen herunter. Der Taxifahrer lenkt das Taxi langsam durch den zähen Berufsverkehr und lässt uns schließlich vor einem thailändischen Kinderarzt aussteigen. Nur für Einheimische. Doch als die Angestellten mich in meinem erbärmlichen Zustand sehen, winken sie mich lächelnd herein. Und so finde ich mich plötzlich auf einem kleinen Drehstuhl vor einem netten alten Arzt wieder, lasse mir Medikamente verschreiben und mir eine Spritze geben. Nur widerwillig lässt mich der freundliche Arzt ziehen. Er vermutet eine Infektion mit Influenza A und möchte mich lieber in ein Krankenhaus einweisen.

Vittorio verspricht, uns ein Taxi zu rufen und uns zum Flughafen zu begleiten. Zitternd stehe ich an der Hauptstraße. Ich will mich nur noch hinlegen. Aber die Taxis fahren ohne langsamer zu werden an uns vorbei, keines hält an. Und so laufen wir langsam die Hauptstraße entlang. Ich bin mit meinen Kräften am Ende und setze mich alle 5 Meter einfach auf den Bürgersteig. Auch hier sind die Thais ausnahmslos zuvorkommend. Sie bringen Stühle, Tigerbalsam und Wasser. Samy, ein junger Spanier, bietet ebenfalls seine Hilfe an, sodass Goldlöckchen mit unseren beiden Helfern die Koffer trägt, während ich keuchend versuche, Schritt zu halten. Ich kippe Elektrolyte in mich hinein und fühle mich benommen von der Spritze. Die Zeit vergeht wie im Fluge und ehe ich es mich versehe, beginnt bereits unser Check-in und ich bin erst 2 Kilometer von der Arztpraxis entfernt. Gott sei Dank hält endlich wie aufs Stichwort ein Taxi neben uns.

Am Flughafen ziehe ich das müde Goldlöckchen im Laufschritt hinter mir her, bepackt mit zwei Rucksäcken und versuche, meinen Mageninhalt zu behalten. Als wir endlich im Flugzeug sitzen, blockiere ich die Flugzeugtoilette ununterbrochen. Ich habe inzwischen hohes Fieber und krümme mich auf meinem kleinen Sitz. Die Stewardess hat Mitleid, bietet uns Sitze in der Business Class an, deckt mich zu und dimmt das Licht.

Irgendwie schaffen wir auch das Umsteigen und den Aufenthalt zwischen den Flügen. Ich bin erleichtert, als ich am Flughafen mit einer bayerischen Schimpftirade des Zollbeamten begrüßt werde und weiß, dass ich bald in Ruhe auf meiner Couch sterben kann. Natürlich steckt sich Goldlöckchen an, und so machen wir, was wir diesen Winter am besten können: krank sein.

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